Samstag, 17. Oktober 2009

"GZSZ": Der Freifahrtschein zum Fremdgehen


Mit dieser Geschichte sind wir wohl definitiv im 21. Jahrhundert angekommen und wohl auch in einem neuen Soap-Zeitalter. Weil Leon (Daniel Fehlow) an den Rollstuhl gefesselt ist und so im Bett einen Durchhänger hat, gibt er Freundin Verena (Susan Sideropoulos) nun einen Freifahrtschein um weiterhin mit Affäre Tayfun (Tayfun Baydar) zu schlafen. Alles wohl aus Liebe. Doch noch mit Leons Argumentation bekommt man das Gefühl, dass es hier nicht um wirkliche Gefühle sondern letztlich nur um Sex geht. Ein sehr beliebtes Thema dieser Tage in der Berlin-Soap. So macht Leon Verena klar, dass sie sowieso mit anderen Typen schlafen würde, weil er sie eben derzeit nicht befriedigen kann. Auf dieser Art und einem Abkommen mit Tayfun würde er wenigstens im Bilde sein und das "Kopfkino" würde sich so wohl etwas erträglicher gestalten!?
Während ich wirklich versuche die Logik hinter dem ganzen zu verstehen und auch durchaus extrem tollerant bin, was diese Themen angeht, verstehe ich am Ende des Tages meist nur Bahnhof. Was sollen die Zuschauer nun glauben geht in den Köpfen der Protagonisten vor? Und noch viel wichtiger: Was will uns "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" mit dieser Story eigentlich erzählen?
Bei Leon glaube ich, dass er versucht alles auf seine Behinderung abzuwälzen und sich deswegen sicher ist Verena betrügt ihn. Das mag auch durchaus stimmen. Hätte Leon den Unfall nicht gehabt, wären Verena und Tayfun sich vielleicht gar nicht so nah gekommen. Doch man muss auch sagen, dass sich die beiden lange vor Leons Unfall schon auf einen heißen Flirt eingelassen haben. Auf die Behinderung kann man hier wohl nicht alles schieben. Und bei Verena scheint es ja eher der Fall zu sein, dass sie sich in Tayfun verliebt hat und sich einfach zwischen zwei Männern nicht entscheiden kann. Am Ende ist vielleicht ihre Beziehung mit Leon auch an ein bisschen Mitleid gekettet. Was gibt das für ein moralisches Statement, wenn man einen behinderten Mann wegen einer Affäre verlässt? Gut aussehen tut man dabei wohl nicht. Doch natürlich darf man Verenas Gefühle für Leon auch nicht unterschätzen. Die dauern schließlich schon lange genug an und haben etliche Krisen gemeistert. Es bleibt also das Gefühl bestehen, dass Leon die Wahrheit nicht sehen will, während sich Verena in Wahrheit wirklich zwischen zwei Männern befindet, bei dem ihr nur einer die sexuelle Erfüllung geben kann.
Bleibt immer noch offen, was man uns mit diesem extrem komplizierten Liebesdreieck nun eigentlich erzählen will. War ich zum Anfang noch recht hoffnungsvoll, dass man hier Susans Chemie mit Danny und Tayfun extrem nutzen könnte, wird die Geschichte durch den Inhalt ziemlich nervenaufreibend. Ein Behinderter, der seine Freundin zu einem anderen Mann schickt, weil er sie sexuell nicht befriedigen kann, wirft einfach ein Licht auf ein ziemliches ernstes Thema, was das ganze sogar ein bisschen lächerlich macht. Ob man nun die Potenz hat oder nicht, es sollte noch lange kein Freifahrtschein zum Fremdgehen sein. Schon gar nicht in solch einer Situation. Was man dadurch auch vermittelt ist, dass Sex über eine Beziehung stehen kann. Zwar ist Sex zweifellos für Menschen wichtig, vor allem mit der Offenheit die dafür im 21. Jahrhundert herrscht, allerdings sollte man auch nicht vermitteln, dass Sex letztendlich DIE Erfüllung darstellt. Bei "GZSZ" versucht man das natürlich damit zu kompensieren, dass Verena tatsächlich nunmal Gefühle für Tayfun hat, doch genau das muss dann besser früher als später auch bei allen Dreien eine größere Rolle spielen. Sonst könnte man - speziell der Jugend - hier ein falsches Bild vermitteln.

Photo: © RTL

2 Kommentare:

  1. hallo Lukas

    Finde dein Blog echt Klasse. Bringst du auch mal wieder etwas von AWZ. Marian steht jetzt endlich zu Jenny, würde mich freuen wenn du darüber etwas schreibst. :)

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  2. Danke dir. Zu "AWZ" kommt morgen was. :)

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